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Reallabore in der Agrarforschung: Gemeinsam mit Praxis, Wissenschaft und Politik den Wandel gestalten

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22.11.2022

Pressemitteilung

Luftaufnahme des Landschaftslabors patchCROP

Damit der nachhaltige Umbau der Landwirtschaft gelingen kann, braucht es zügig konkrete und gemeinsame Schritte auf politischer, praktischer und wissenschaftlicher Ebene. Eine brandenburgisch-hessische Initiative aus Wissenschaftseinrichtungen will zukünftig intensiver in Reallaboren und im engeren Austausch mit Politik und Praxis an Lösungen forschen, und damit genau zu dieser Vernetzung beitragen. Unter Koordination des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) fand hierzu am 21. November 2022 eine erste Veranstaltung mit Vertretern aus Politik und Verwaltung in Berlin statt. Begleitend stellte die Forschungsallianz ein Policy Paper zum Thema vor. Die Autorinnen und Autoren fordern darin, dass sich Agrarforschung und auch Forschungsförderung weiter entwickeln bzw. verändern müssen, um die wissensbasierte Transformation der Landwirtschaft zu erreichen.

Die Landwirtschaft in Deutschland und Europa steht vor einem großen Umbruch. In Anbetracht von Klimawandel, bedrohter Artenvielfalt und zunehmenden Unsicherheiten in den globalen Lieferketten als Teil des gesamten Agrar-Ernährungssystems muss die Landwirtschaft ökologisch, ökonomisch und sozial neu ausgerichtet werden. Reallabore fungieren hier als Testräume für Innovationen und neue Regulierungen. Sie ermöglichen es, neue Technologien, Ansätze, Methoden und Geschäftsmodelle in Experimentierräumen und gemeinsam mit vielen beteiligten Akteurinnen und Akteuren zu erproben. Kennzeichnend für die Art der Zusammenarbeit sind die Partizipation sowie das gemeinsame Lernen. Hierdurch sollen Erkenntnisse aus der Wissenschaft nicht nur schneller ihren Weg in die Praxis finden. Reallabore können auch dabei helfen, die gesellschaftliche Akzeptanz für Innovationen und Veränderungsprozesse zu stärken. Im aktuellen Koalitionsvertrag hat sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, ein Reallaborgesetz zu beschließen, das einheitliche und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen für Reallabore bietet und neue Freiräume zur Erprobung von Innovationen ermöglicht.

„Hierzu müssen wir uns in der Wissenschaft für diese neue und intensivere Art der Zusammenarbeit mit Praxis und Politik öffnen und interdisziplinärer zusammenarbeiten. Lösungen auf die drängenden Fragen unserer Zeit werden wir nur finden, wenn wir das Gesamtsystem Landwirtschaft in größeren Landschaftsausschnitten und Themenkomplexen und, besonders wichtig, mit allen beteiligten Akteurinnen und Akteuren entwickeln und für die Umsetzung auch erproben können“, erklärt Prof. Dr. Frank Ewert, Sprecher der Initiative und Wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF). „Hierzu braucht es auch neue Impulse für die Wissenschaftspolitik. Wir müssen uns fragen: Gelingt es uns angesichts des großen Transformationsdruckes, vor dem wir gemeinsam stehen, unsere Erkenntnisse schnell genug in die Praxis und Politik zu vermitteln und die Gesellschaft bei diesem Wandel auch mitzunehmen?“ Hier bieten Reallabore einen vielversprechenden Ansatz, argumentiert der Zusammenschluss aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des ZALF sowie der Universitäten Gießen, Kassel und Geisenheim auf einer Veranstaltung am 21. November 2022 in Berlin. Etwa 40 Vertreterinnen und Vertreter aus Bundes- und Landespolitik, aus der Verwaltung und aus dem Bundestag sowie den Landtagen Brandenburg und Hessen waren der Einladung gefolgt, um über das Thema Reallabore in der Agrarforschung zu diskutieren.

In Deutschland gibt es bereits verschiedene Beispiele für Projekte mit Reallaboransätzen, wie das Landschaftslabor patchCROP des ZALF oder die Forschungsprojekte AKHWA und GreenDairy, in denen die Universitäten Kassel und Gießen sowie die Hochschule Geisenheim und der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen zusammenarbeiten.

Um das Potential einer Reallaborforschung als Beitrag für eine Transformation in der Landwirtschaft nutzen zu können, braucht es nun aber eine Unterstützung aus Politik und Verwaltung – und auch die Bereitschaft, selbst aktiv Teil dieses Wandels zu sein. Diese und weitere Forderungen formulieren die beteiligten Autoren in einem zur Veranstaltung vorgestellten Positionspapier.

„Ein Großteil unserer Gesellschaft entfernt sich immer weiter von der landwirtschaftlichen Primärproduktion. Zeigen zu können, dass sich viel bewegt, Landwirte und Forschende sich den kommenden Herausforderungen stellen und gemeinsam nach Lösungen suchen, kann ein starkes Signal in Richtung Zukunftslandwirtschaft sein“, so Marina Grölz, Bio-Landwirtin im Kreis Gießen in ihrem Vortrag.

Den Beitrag von Reallaboren für die Politikberatung beleuchtete in einem Inputbeitrag Dr. Manfred Klein vom Bundesamt für Naturschutz. „Reallabore bieten einen integrativen und systemischen Agrarforschungsansatz für die Gestaltung der dringend notwendigen Neuausrichtung der Agrarpolitik“, betont er. „Wir brauchen einen Naturschutz in der Agrarlandschaft, der Hand in Hand geht mit der Entwicklung neuer kooperativer Ansätze. Für solche Entwicklungen eignen sich Reallabore besonders gut.“

„Die zeitnahe und praxisorientierte Begleitung durch vertrauenswürdige Wissenschaftler in Reallaboren kann ein wirksames Mittel sein, die ausufernde Komplexität des exponentiellen Wissenswachstums nicht nur in landwirtschaftlichen Betrieben zu managen“, stellte Benjamin Meise, Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz in seinem Redebeitrag heraus.

 

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Luftaufnahme des Landschaftslabors patchCROP.
Im Landschaftsexperiment patchCROP arbeiten Forscherinnen und Forscher eng mit einem landwirtschaftlichen Betrieb zusammen. Solche Infrastrukturen können zentrale Elemente in größeren landwirtschaftlichen Reallaboren zu Agrarlandschaften sein. Quelle: © Hendrik Schneider / ZALF.

 

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