28.05.2026
Pressemitteilung

Im Fachjournal Progress in Economic Geography veröffentlichte das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Zusammenarbeit mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen eine neue Studie zu Start-ups im Agrarbereich. Darin untersucht ein Forschungsteam, wie gut sogenannte Agrar-Start-ups in einer besonders stark landwirtschaftlich geprägten Region in Niedersachsen in bestehende Innovationsstrukturen eingebettet sind. Ein wichtiges Ergebnis: Wie sehr die Innovationen von Agrar-Start-ups zu Nachhaltigkeitstransformationen in der Region beitragen, hängt stark von den etablierten und gefestigten Strukturen ab.
Für die Studie führten die Forschenden von Januar bis März 2025 insgesamt 16 leitfadengestützte Interviews. Befragt wurden Personen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Förderstrukturen und dem Start-up-Umfeld. Zusätzlich zeichneten die Interviewpartner und -partnerinnen Netzwerkkarten, um sichtbar zu machen, wer mit wem verbunden ist und wie diese Beziehungen funktionieren. Die Auswertung konzentrierte sich auf fünf Formen von „Nähe“ zwischen regionalen Akteuren: räumlich, kognitiv, sozial, institutionell und organisatorisch. Die Autorinnen und Autoren beschreiben damit konkret, warum das transformative Potenzial von Innovationen nicht nur von guten Ideen abhängt, sondern auch davon, wie ihre Entstehungsprozesse in ein bestehendes Umfeld eingebettet sind.
Zwischen Nähe und Distanz: Wie wichtig Vertrauen für die Zusammenarbeit ist
Die Fallregion wird in der Studie als deutscher Standort mit besonders intensiver Agrarwirtschaft beschrieben. Dort arbeiten viele etablierte Unternehmen entlang komplexer Wertschöpfungsketten seit Jahrzehnten eng zusammen. Diese Nähe schafft Vertrauen und erleichtert Zusammenarbeit. Gleichzeitig kann sie aber dazu führen, dass Wissen aus neuen Unternehmen schwerer aufgenommen wird. Die Studie zeigt, dass Agrar-Start-ups häufig auf Vermittler und Vermittlerinnen angewiesen sind, um überhaupt Zugang zu wichtigen Netzwerken zu bekommen. Das kann helfen – beeinflusst aber oft auch, in welche Richtung sich ihre Ideen weiterentwickeln.
Darüber hinaus wurden Landwirtinnen und Landwirte in den Interviews nur beiläufig erwähnt. Auch das ist ein wichtiger Befund: Denn wenn neue Technik oder neue Geschäftsmodelle später auf Höfen genutzt werden sollen, müssen landwirtschaftliche Betriebe möglichst früh in Innovationsprozesse einbezogen werden. Die Autorinnen und Autoren folgern, dass Start-ups, bzw. ihre Gründer und Gründerinnen, die zwar in der Region verwurzelt sind, aber zusätzlich Erfahrungen außerhalb des bestehenden Systems gesammelt haben, eine besondere Rolle spielen könnten. Sie bringen neue Perspektiven mit, ohne den Zugang zu regionalen, sozialen und werte-basierten Beziehungen ganz zu verlieren.
Warum neue Ideen oft nur schrittweise Wirkung entfalten
Neu an der Studie ist vor allem der Blick auf die Qualität der Beziehungen in einem regionalen Innovationssystem und einem unternehmerischen Ökosystem, also dem Zusammenspiel aus Akteuren, Netzwerken und Institutionen. Die Forschenden zeigen nicht nur, welche Verbindungen die Interviewteilnehmenden in diesem Innovationsökosystem wahrnehmen, sondern auch, wie diese Verbindungen neue Entwicklungen fördern oder begrenzen können. Besonders wichtig: Enge soziale und informelle institutionelle Bindungen unter etablierten Akteuren können dazu führen, dass eher kleinere Verbesserungen – zum Beispiel auf Effizienz ausgerichtete Lösungen – entstehen als grundlegende Veränderungen. Das ist gesellschaftlich wichtig, weil die Landwirtschaft vor großen Aufgaben steht – etwa beim Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz – und dafür nicht nur effizientere, sondern teils auch deutlich anders gedachte Lösungen braucht.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Innovation in der Landwirtschaft nicht allein an guten Ideen scheitert oder gelingt. Entscheidend ist auch, ob neue Akteure Zugang zu bestehenden Netzwerken bekommen – und ob dort Platz für Wissen ist, das noch nicht zum Gewohnten passt“, sagt
Katharina Rock vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und Erstautorin der Studie.
Was die Forschenden daraus ableiten
Die Autorinnen und Autoren sehen in ihren Ergebnissen Hinweise darauf, dass regionale Netzwerke für Agrar-Innovationen breiter aufgestellt werden sollten. Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen könnten dabei eine wichtige Rolle spielen, wenn sie in Ausbildung und Forschung nicht nur wirtschaftliche und technische Themen stärken, sondern auch Umwelt- und Sozialfragen stärker einbeziehen. Die Studie zeigt aber auch ihre eigenen Grenzen auf: Die direkte Sicht von Start-ups konnte nur eingeschränkt einbezogen werden, weil viele junge Unternehmen ihre Netzwerke aus Wettbewerbsgründen nicht offenlegen wollten. Künftige Forschung soll deshalb noch genauer vergleichen, unter welchen konkreten Bedingungen regionale Innovationsräume eher kleine Anpassungen oder tiefere Veränderungen ermöglichen.
Pressemitteilung im PDF-Format
Weitere Informationen:
DOI-Link zur Originalpublikation:
https://doi.org/10.1016/j.peg.2026.100067
Projektpartner:
- Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), Müncheberg
- Universität Hohenheim, Stuttgart
- Hochschule für Gesellschaftsgestaltung, Koblenz
- Georg-August-Universität Göttingen
Förderhinweis:
Die Studie wurde durch die Konrad-Adenauer-Stiftung, durch eine ZALF-Förderung zum Abschluss der Promotion, durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF; Förderkennzeichen: 031B0751) sowie durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG; Förderkennzeichen: 554256072) finanziell unterstützt.
Hinweis zum Text:
Dies ist eine mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz erstellte Zusammenfassung des Originaltextes: Rock, K., Schlaile, M. P., Busse, M., & Zscheischler, J. (2026). Agri-startups and their regional embeddedness: A qualitative network analysis on the German ‘Silicon Valley of Agriculture’. Progress in Economic Geography, 4, 100067.
DOI:
https://doi.org/10.1016/j.peg.2026.100067, veröffentlicht Open Access / veröffentlicht unter der Lizenz CC BY 4.0
https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/.
Der Text wurde unter den Gesichtspunkten der
KI-Regelungen am ZALF sorgfältig überprüft und überarbeitet.