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Wasserwirtschaft und Forschung beraten in Neuruppin und Paulinenaue die Novellierung der Düngeverordnung

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​​​​​​​​​​​​​06.05.2026

Logo des Projektes FInAL

Vom 20. bis 22. April 2026 tagte die „Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.“ (DWA), Fachausschuss GB 6 „Bodennutzung und Stoffeinträge in Gewässer“, in Neuruppin und Paulinenaue. Unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Eulenstein vom Leibniz Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) tagten Expertinnen und Experten aus der deutschen Wasserwirtschaft und Forschung in der Kapelle des „Up Hus“ in Neuruppin und in der Forschungsstation des ZALF in Paulinenaue.

Der Fachausschuss diskutierte die aktuelle Gesetzeslage in den einzelnen Bundesländern für die Ausbringung von Düngemitteln. Das Bundesverwaltungsgericht hatte Ende Oktober 2025 die in der Düngeverordnung des Bundes enthaltene strengere Regelung für besonders nitratbelastete Flächen, die sogenannten „roten Gebiete“, für rechtswidrig erklärt. Daraufhin setzten mehrere Bundesländer die Ausweisung dieser „roten Gebiete“ und die damit verbundenen Düngebeschränkungen in den Landesdüngeverordnungen aus, unter anderem auch das Land Brandenburg. Vor diesen Hintergrund beschäftigte sich der Fachausschuss insbesondere mit der Bedeutung der Gesetzesänderung für die Wasserwirtschaft und den Grundwasserschutz. 

Für Prof. Dr. Frank Eulenstein war es die letzte Teilnahme an einer Tagung der Gruppe, die seit Jahrzehnten die deutsche und europäische Dünge- und Düngemittelgesetzgebung prägt. Nachdem er als Experte für Düngung und Wasserhaushalt das ZALF in diesem Fachausschuss 35 Jahre lang vertreten hatte, legte er sein Mandat nun nieder. 

Die Teilnehmenden der Tagung zeigten sich begeistert von der Atmosphäre der Schinkel- und Fontanestadt Neuruppin und vom Tagungsort Up Hus. Die Vorexkursion führte die interessierte Gruppe zum Brandenburg-Preußen-Museum nach Wustrau und zu Moor-Wiedervernässungsflächen nach Wustrau und Hakenberg. 

Exkursion zum Projekt FInAL: Insektenschutz und verbesserte Nährstoffbindung im Boden

Besonderes Interesse der Gruppe galt dem von der „Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe“ (FNR) in Gülzow-Prüzen geförderten Projekt FInAL (Förderung von Insekten in Agrarlandschaften). FInAL hat zum Ziel, Wege aufzuzeigen, wie in Agrarlandschaften die Vielfalt, Biomasse und Funktionalität der Insekten durch Änderungen der Anbausysteme erhöht werden kann. Dies erfolgt insbesondere durch Integration nachwachsender Rohstoffe zur Produktion von Biogas und Fasern zum Torfersatz bei der Erdenherstellung. Das Projekt FInAL etabliert insektenfreundliche Pflanzen in der Agrarlandschaft, welche zusätzlich die Nitratauswaschung aus dem Boden und den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren können. 

Insgesamt wird im Projekt ein umfassender Ansatz auf Landschaftsebene mit einem jeweils regionalen Leitbild gewählt, der sowohl die Anbau- und Nichtproduktionsflächen als auch die Partizipation der Akteure berücksichtigt. Die Landschaftslabore, also Landschaftsausschnitte, in denen Maßnahmen zur Förderung der Insekten etabliert werden, werden hinsichtlich der Ausgangsituation, der Nutzungsoptionen und der Auswirkungen der Maßnahmen auf verschiedene Merkmale, vor allem in Bezug zum Vorkommen bestimmter Insektengruppen und ihrer Funktionalität (z. B. im integrierten Pflanzenschutz) untersucht. Über Deutschland verteilt gibt es drei Landschaftslabore und Referenzlabore in Bayern, Niedersachsen und Brandenburg.

Landschaftslabore im Projekt FInAL

Als Landschaftslabor wird hier ein Ausschnitt einer Agrarlandschaft bezeichnet, in der innovative Maßnahmen zu Förderung der Insekten in Anbausystemen durchgeführt werden. Es wird ein flächenhafter Ansatz gewählt: die Gesamtfläche des Landschaftslabors ist das Objekt der Analyse und auch der zielgerichteten Veränderungen. Daher soll ein Landschaftslabor sowohl alle landwirtschaftlichen Nutzflächen als auch die ungenutzten Teile erfassen. Die Größe eines Landschaftslabors beträgt ca. 3 x 3 km. So ist es möglich, die Auswirkungen der im Labor etablierten Maßnahmen auf das Vorkommen von Insekten im Landschaftsmaßstab zu belegen. Die Auswirkungen der Maßnahmen auf verschiedene Gruppen von Insekten, Ökosystemleistungen von Insekten und Boden, Landschaftsstruktur, Erträge und integrierten Pflanzenschutz werden einerseits durch Monitoring zu Beginn und während der Transformationsphase der Landschaft untersucht. Außerdem werden auf Referenzflächen in denen keine Maßnahmen umgesetzt werden in denselben Untersuchungsregionen, in denen sich auch die Landschaftslabore befinden, zeitparallele Untersuchungen durchgeführt. Hierfür werden spezifische Bewertungsmethoden entwickelt. Das Monitoring fokussiert auf Insekten und ihre Ökosystemleistungen, aber betrachtet auch interdisziplinär die vier Nachhaltigkeitsfelder Umwelt / Biodiversität, Ökonomie, Gesellschaft und Politik, um eine umfassende Bewertung der Maßnahmen im Sinne der Nachhaltigkeit zu ermöglichen. Die Auswahl der Landschaftslabore erfolgt nach Landschaftstypen, die eine besondere Bedeutung in der Vielfalt der Agrarlandschaften Deutschlands haben.

Das 900 ha große Landschaftslabor „Havelluch“ bei Pessin wird seit 8 Jahren von Forschungsgruppen beforscht und ist ein Forschungsschwerpunkt des bundesweiten Projektes. Bis 2028 stellte die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe die Finanzierung sicher. Dann liegen 10-jährige Untersuchungen vor. Aktuell werden ca. 100 ha „Durchwachsene Silphie“, 60 ha Kleeuntersaat im Grünland, 60 ha Zwischenfrüchte und 35 ha Blühpflanzen insektenfreundlich bewirtschaftet. Dies entspricht ca. 30% der Fläche des Landschaftslabors. Durchwachsene Silphie und Kleegras können bis zu 20 Jahre ohne Pflügen auf dem Feld stehen und nehmen bis zu 300 kg Stickstoff auf und können so die Stickstoffauswaschung vom Feld ins Grundwasser verringern. Die Auswahl und Umsetzung geeigneter Maßnahmen wird im Projekt in einem Co-Design-Prozess mit den Akteuren erarbeitet. Der Etablierung von Maßnahmen im Landschaftslabor gehen – je nach Bedarf – Untersuchungen auf Versuchsflächen, die sogenannten Maßnahmenwerkstätten, voraus. Die Ergebnisse aus den Landschaftslaboren werden hinsichtlich der Wirksamkeit der Maßnahmen, der Akzeptanz in der Praxis, der Übertragbarkeit auf andere Landschaften und möglicher förderpolitischer Handlungsempfehlungen zusammengefasst und integrativ analysiert.

Zusammenarbeit mit Praxispartnern in der Region 

Die Hauptexkursion am letzten Tag der Tagung führte in das Landschaftslabor des FInAL-Projektes bei Pessin und zu verschiedenen Partnerbetrieben des Projekts FInAL: dem Landwirtschaftsbetrieb Sebastian Pörschke, der Biogasanlage Pessin (Vorn Bioenergy), des Pelletierwerkes Selbelang (Futtermittel GmbH Selbelang) und des Erdenwerkes Störk/Compo in Nauen. Hier wurde die Wertschöpfungskette des Anbaus insektenfreundlicher Pflanzen besichtigt.

Die Wertschöpfungskette erfolgt dabei durch eine sogenannte „Kaskadennutzung“ der Biomasse. Die Biomasse wird zunächst zur Biogas-Produktion in der Biogasanlage in Pessin verwendet und anschließend werden die rohfaserreichen Reststoffe (Gärsubstrate) zum Ersatz von Torf bei der Herstellung gärtnerischer Substrate und Blumenerden bei Störk/Compo in Nauen verwertet. So bekommt der Anbau von insektenfreundlichen Blühpflanzen eine wirtschaftlich rentable Basis.

Weitere Informationen: 


 

Bildmaterial

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DWA-Tagung zur Düngeverordnung in der Kapelle des „Up Hus“ in Neuruppin | Quelle: © Frank Eulenstein / ZALF.
DWA-Tagung zur Düngeverordnung in der Kapelle des „Up Hus“ in Neuruppin | Quelle: © Frank Eulenstein / ZALF.

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Der Leiter der Forschungsstation Paulinenaue, Dr. Axel Behrend, (zweiter von rechts) demonstriert dem Fachausschuss das Maßnahmen-Labor des FInAL-Projektes, die Lysimeterstation des ZALF in Paulinenaue. Hier wird der Wasserhaushalt der Pflanzenbestände untersucht (Sickerwasser/Verdunstung/Biomasssewachstum und Nährstoffaufnahme) | Quelle: © Frank Eulenstein / ZALF.
Der Leiter der Forschungsstation Paulinenaue, Dr. Axel Behrend, (zweiter von rechts) demonstriert dem Fachausschuss das Maßnahmen-Labor des FInAL-Projektes, die Lysimeterstation des ZALF in Paulinenaue. Hier wird der Wasserhaushalt der Pflanzenbestände untersucht (Sickerwasser/Verdunstung/Biomasssewachstum und Nährstoffaufnahme) | Quelle: © Frank Eulenstein / ZALF.

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Markus Sinn (dritter von links) erläutert die Herstellung gärtnerischer Substrate bei der Firma Störk/Compo in Nauen | Quelle: © Frank Eulenstein / ZALF.
Markus Sinn (dritter von links) erläutert die Herstellung gärtnerischer Substrate bei der Firma Störk/Compo in Nauen | Quelle: © Frank Eulenstein / ZALF.
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