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25 Jahre ZALF: Forschungszentrum mit internationaler Strahlkraft feiert Jubiläum

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ZALF

Pressemitteilung

ZALF-Hauptgebäude auf dem Forschunggelände in Müncheberg

Am 22. Juni 2017 feiert das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. gemeinsam mit rund 300 geladenen Gästen aus Wissenschaft, Politik und Praxis sein 25-jähriges Bestehen. Am Vormittag findet ein wissenschaftliches Symposium zum Thema „Agrarlandschaftsforschung im Kontext der Nachhaltigkeitsziele“ auf dem Campus in Müncheberg statt. Am Nachmittag lassen Wegbegleiter, Förderer und Partner gemeinsam mit dem ZALF-Vorstand und Gästen 25 Jahre Agrarlandschaftsforschung im Rahmen eines feierlichen Festaktes Revue passieren und blicken gemeinsam in die Zukunft des Forschungsstandorts. Als Gastrednerinnen und Gastredner werden unter anderem die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Frau Prof. Johanna Wanka sowie der Landesminister für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, Herr Jörg Vogelsänger, erwartet. 

 

Müncheberg: Forschungsstandort mit langer Tradition 

1992 wird das ZALF − Zentrum für Agrarlandschafts- und Landnutzungsforschung e. V. − als Einrichtung der „Blauen Liste“ in Müncheberg gegründet. Die Forschung am Standort fußt auf einer langen Tradition: Bereits 1928 eröffnete das Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung unter Leitung von Erwin Baur. Nach einer Verlagerung 1945 folgte wenig später die Wiedereröffnung als Zentralforschungsanstalt für Pflanzenzucht, dann ab 1952 Institut für Acker- und Pflanzenbau mit neuem Schwerpunkt und neuem Leiter: Prof. Dr. Rübensam. 1970 wechselte dann sowohl der Name als auch die Mission: Forschungszentrum für Bodenfruchtbarkeit Müncheberg (FZB) mit Fokus auf die industriemäßige Intensivierung der Pflanzenproduktion. Ab 1987 erweiterte sich die Forschung dann hin zu einer ökologisch-ökonomisch ausgewogenen Landbewirtschaftung. 1991 wurde das FZB formal aufgelöst. Mit Empfehlung des Wissenschaftsrates der Bundesrepublik Deutschland stand sodann die Geburt des heutigen Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. bevor. 

 

Entwicklung des ZALF: Exzellenz und Internationalisierung mit großem Datenschatz 

Mit der Gründung des ZALF 1992 in Müncheberg änderte sich der Forschungsfokus am Standort richtungsweisend: Von der Produktionsmaximierung zur umweltgerechten Landnutzung sowie Einbeziehung komplexer Zusammenhänge in landwirtschaftlich genutzten Oberflächen. Die vorhandenen Forschungsdaten, wie zum Beispiel die DDR-weite Bodenbewertung, waren und sind Grundlage für einen bis heute gewachsenen Datenschatz. Lokales und regionales Wissen wurde stufenweise auf die internationale Ebene ausgedehnt. Aus dem anfänglichen Dachverband des ZALF, der gemeinsam von Bund und Ländern finanzierten „Arbeitsgemeinschaft Blaue Liste“, wurde 1995 die „Wissenschaftsgemeinschaft Blaue Liste“ (WBL) und 1997 die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz" (WGL), kurz „Leibniz-Gemeinschaft“. Mit dieser entstand ein starker Dachverband mit internationalem und auf wissenschaftliche Exzellenz ausgerichteten Fokus, der auf das ZALF prägend wirken sollte. 2006 dann eine weitere richtungsweisende Entscheidung für das Müncheberger Forschungszentrum: der Wechsel in der Zuständigkeit der Länderfinanzierung vom Landwirtschaftsministerium zum Wissenschaftsministerium und damit die Erweiterung des Forschungsfokus – von der Haustür in die ganze Welt. 

 

Forschung mit Fokus auf Transfer und Inter- sowie Transdisziplinarität 

Die Forschungsergebnisse des ZALF werden heute nicht nur in der Fachwelt rezipiert, sondern mit starkem Fokus auf den Transfer auch in die breite Öffentlichkeit getragen. Hierzu nutzt das ZALF ganz verschieden Formate: vom digitalen Onlinespiel rund um das Thema Wassermanagement, über Podiumsdiskussionen mit Akteuren aus vielen Teilen der Gesellschaft, bis hin zu Smartphone-Apps für die Landwirtschaft ist die Bandbreite vielfältig. Regelmäßige Feldtage mit der Landwirtschaft ermöglichen einen regen Austausch über Erkenntnisse in der Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse unter den regionalen Herausforderungen, zum Beispiel des Klimawandels, und sind damit eine hervorragende Verbindung in die Praxis. 

Die Probleme der Landwirtinnen und Landwirte, aber auch weiterer relevanter Akteure aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung, prägen die Forschung des ZALF. Akteure aus ganz unterschiedlichen Disziplinen und gesellschaftlichen Gruppen wurden unter dem Schlagwort „Transdisziplinarität“ sukzessive in die Forschung und den Wissenstransfer einbezogen. Startpunkt war das 1997 begonnene Verbundprojekt „GRANO“. Hier wurde am ZALF erstmals systematisch transdisziplinär geforscht: Landschaftsplaner/innen, Wissenschaftler/innen, Landwirte/innen und behördliche Vertreter/innen verfolgten mit GRANO gemeinsam das Ziel, die Voraussetzungen für eine nachhaltige Agrarlandschaftsentwicklung in ausgewählten Regionen Brandenburgs zu ergründen. Gemeinsam wurden Hemmnisse, vor allem aber Wege für die Umsetzung ökologischen Wissens in praktisches Handeln aufgezeigt. 

Die Einbeziehung der breiten Öffentlichkeit in die Forschungsanstrengungen des ZALF mündet heute in eines der erfolgreichsten Citizen-Science-Projekt Deutschlands: Im Mückenatlas kartieren Forscherinnen und Forscher mithilfe der Bevölkerung Stechmücken.

 

Natur- und Sozialwissenschaftler auf internationaler Mission 

Die intensivere inter- und transdisziplinäre Forschungsausrichtung ist nicht zuletzt einer Besonderheit am ZALF zu verdanken: der Verknüpfung von naturwissenschaftlichen Phänomenen mit ökonomischen und sozialen Aspekten. Mit Gründung des Instituts für Sozioökonomie etablierten sich von Beginn an Forschungsthemen mit zunehmend globaler Gewichtung: Ernährungssicherheit, Landschaftsfunktionen, Ökosystemleistungen und Wirkungsforschung sind hier nur einige wenige Schlagworte. 

Ein Meilenstein in der Internationalisierungsstrategie war die renommierte Fachkonferenz „Tropentag“. 2015 holte das ZALF gemeinschaftlich mit der Humboldt Universität zu Berlin den größten Kongress zur internationalen Agrarforschung nach elf Jahren wieder zurück nach Berlin. Über 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus rund 80 Ländern trafen zusammen, um sich über Strategien für die Ernährungssicherung, gerechtere Ressourcennutzung und Armutsbekämpfung auszutauschen. Im selben Jahr übernahm das ZALF gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) die Koordination des BMBF-Programms „BonaRes“ (Boden als nachhaltige Ressource für die Bioökonomie). Das Forschungskonsortium aus insgesamt zehn interdisziplinären Verbundprojekten hat sich die Aufgabe gestellt, ein weltweit einzigartiges virtuelles Zentrum aufzubauen, um Wissen über Bodenfunktionen zu sammeln, zu vernetzen und verfügbar zu machen.

 

Datenerhebung und Datennutzung: Forschung auf den Skalen von Raum und Zeit 

Um konkrete Werkzeuge für die komplexen Wechselprozesse in Agrarlandschaften zu entwickeln, ist das Vorhandensein von Daten in verschiedenen Zeit- und Raumskalen essentiell: Das ZALF verfügt über eine einzigartige Vielfalt an langfristig relevanten Daten und Erfahrungswerten zu deren Handhabung. Der Forschungsstation des ZALF mit einer Gesamtfläche von 150 ha und drei verschiedenen Standorten kommt hierbei eine besondere Rolle zu. Die Versuchsflächen in Müncheberg sind durch eine sandige Landschaft gekennzeichnet. Die in Brandenburg weit verbreiteten trockenen und sandigen Böden bilden ideale Voraussetzung für Forschungsversuche, die insbesondere Aspekte des Klimawandels in den Fokus setzen. Der Standort Paulinenaue wiederum zeichnet sich durch einen nassen Boden aus – hier wird unter anderem extensives Beweidungsmanagement in Moor- und Gründlandgebieten erprobt. Der dritte Standort im Einzugsgebiet des Flusses Quillow in der Uckermark ist durch verhältnismäßig gute Böden geprägt und charakteristisch für weite Teile Mitteleuropas. Hier befindet sich mit dem „AgroScapeLab Quillow“ das Landschaftslabor des ZALF: Vielfältige Messtechniken werden gebündelt und Geoinformationen mit Messdaten aus dem Boden, dem Grundwasser oder aus der Luft auf unterschiedlichen Dimensionen erfasst und gespeichert. Dieser „Datenschatz“ ist über mehr als 25 Jahre gewachsen und die Forschungsfragen sind so vielfältig wie die Daten selbst: von der intensiven Nutzung und Nicht-Nutzung von Land, unterschiedlichen Bearbeitungsintensitäten, über den Anbau diverser Formen der Fruchtfolgen und Begleitvegetationen, bis hin zu deren Auswirkungen zum Beispiel auf die Erosion oder aber den Kohlenstoffhaushalt von Agrarlandschaften. 

 

Digitalisierung und Landwirtschaft 4.0 

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und den Entwicklungen im Bereich „Big Data“ eröffnen sich unter dem Stichpunkt „Landwirtschaft 4.0“ für die Nutzung, Verarbeitung und Bereitstellung dieser komplexen Datenmengen völlig neue Möglichkeiten: In den Versuchen im Labor, in Klimakammern oder auf der Forschungsstation im Feld- und Landschaftsmaßstab generiert und vernetzt das ZALF Daten, die ein weiteres Steckenpferd der Müncheberger Forschung speisen: die computergestützte Modellierung. Mit deren Hilfe können die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Wechselwirkungen zwischen Einzelprozessen bis hinauf auf die Landschaftsebene erklären – und damit Forschungsergebnisse auch auf andere Regionen und Landschaftsausschnitte übertragen. Das ZALF trägt heute mit inzwischen mehr als 240 Kooperationspartnern in 34 Ländern nicht nur in der heimischen Landwirtschaft, sondern im globalen Kontext aktiv dazu bei, die Herausforderungen der Zukunft auf der Landschaftsebene zu lösen.

 

 

 ​Bildmaterial

Zum Download der Bilder bitte auf das entsprechende Bild klicken und über Download-Icon herunterladen.

ZALF-Hauptgebäude auf dem Forschungsgelände in Müncheberg. Quelle: © Jarno Müller | ZALF.
Blick auf die Hauptgebäude des ZALF am Standort in Müncheberg​. Quelle: © Jarno Müller | ZALF.

 

Wissenschaftliche Mitarbeiterin untersucht Bodenprobe, Quelle: © Jarno Müller | ZALF.
​Ingrid Onasch, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZALF, bei der Analyse einer Bodenprobe​.​ Quelle: © Jarno Müller | ZALF.

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