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ZALF in den Medien: Anpassung der deutschen Landwirtschaft an den Klimawandel

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05.09.2018

PlanSmart Team

Es war eines der großen Themen in diesem Sommer: die Hitzewelle und ihre Auswirkungen auf die deutsche Landwirtschaft. Erwartete Ernteeinbußen von bis zu 50 Prozent und Forderungen an die Politik nach Hilfszahlungen für betroffene Betriebe führten zu einer breiten Debatte in Medien und Gesellschaft. Wie kann sich die Landwirtschaft besser auf den Klimawandel einstellen? Welchen Anteil trägt die Landwirtschaft selbst an der aktuellen Situation? Inwieweit sind Hilfszahlungen gerechtfertigt? Auch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e. V. veröffentlichte am 30. Juli ein Interview mit Prof. Frank Ewert unter dem Titel „Ist die Landwirtschaft auf den Klimawandel vorbereitet?" In den darauffolgenden Wochen wurden Expertinnen und Experten des ZALF in über 45 deutschen Medien in TV, Rundfunk und Print zum Thema befragt. Der Grundtenor ihrer Lösungsvorschläge: breitere Fruchtfolgen, bodenschonendere Anbaumethoden und das Führen einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion, die nicht nur mit dem Finger auf die Landwirtschaft zeigt sondern die Agrarsysteme der Zukunft gemeinsam gestalten lässt. 

 

Prof. Frank Ewert, wissenschaftlicher Direktor des ZALF und Professor für Pflanzenbau, stand in über 40 deutschen Medien als Interviewpartner Rede und Antwort. Er nahm die diesjährige Trockenperiode zum Anlass, dafür zu sensibilisieren, dass es einer gesamtgesellschaftlichen Diskussion zum Thema Landwirtschaft bedarf, so unter anderem in den ARD Tagesthemen, im MDR Extra, im Deutschlandfunk, in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wir haben diese Diskussion nötig, um darüber nachzudenken, wie die Agrarsysteme der Zukunft aussehen sollten", so Ewert. Stets betonte er dabei die Komplexität der Situation: „Da sind nicht nur die Landwirte mit zu berücksichtigen, da ist eine Industrie im Umfeld der Landwirtschaft […] eine Verarbeitungsindustrie, ein Vermarktungsbereich […], die Verbraucher […], die Politik und natürlich die Wissenschaft mit reinzunehmen." Die Forschung sieht er, bei der Entwicklung künftiger Agrarsysteme, die den komplexen Herausforderungen gerecht werden, in besonderer Verantwortung.

Darüber hinaus schlug er aus Sicht der Forschung konkrete Anpassungsmaßnahmen für die Pflanzenproduktion vor. Große Chancen sieht er in erweiterten Fruchtfolgen, d. h. einer höheren Anzahl der Ackerkulturen, die in zeitlicher Rotation angebaut werden und gleichzeitig das Fruchtartenspektrum in einem Betrieb erhöhen. Der Vorteil wäre, neben vielfältigeren Landschaften, eine „Risikostreuung" für die Landwirtschaftsunternehmen, da verschiedene Pflanzenkulturen unterschiedlich anfällig für Extremwetterereignisse sind. Ebenso nannte er den vermehrten Anbau von Fruchtarten mit tiefgreifenden Wurzeln, wie beispielsweise Hülsenfrüchten (Leguminosen), und bodenschonende Anbaumethoden zur Erhöhung des Humusgehaltes und damit der Wasserhaltefähigkeit der Böden.

Eine bodenschonende Landwirtschaft für lebendigere Böden und höheren Humusgehalt, darin sieht auch Dr. Monika Joschko einen wichtigen Teil der Lösung. „Je lebendiger der Boden, desto besser speichert er das Wasser", so die Forscherin. „Der Humus ist wie ein Puffer, der in Extremsituationen hilfreich sein kann. Das erhöht die Resilienz […] des Bodens." Ihre jahrelange Forschung zu Regenwürmern, als Indikatoren für die Bodenlebendigkeit, wurde in einem umfangreichen Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beleuchtet.

Es ist gerade diese Nähe der ZALF-Forschung zu der Praxis auf den Äckern, die in den Medien gefragt war. So ging auch Dr. Dietmar Barkusky mit den ARD Tagesthemen auf die von ihm betreuten Versuchsflächen, um Alternativen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft aufzuzeigen. Die Vorteile des Anbaus von Hülsenfrüchten als Zwischenfrucht lagen in dem Beitrag sprichwörtlich auf der Hand: in Form von vergleichsweise gut ausgebildeten Haferkörnern. Auch der Verbleib einer Mulchschicht auf dem Boden ist seiner Ansicht nach zu empfehlen: „Das schützt wirklich vor Verdunstung. Das ist der große Vorteil eines solchen Systems, in dem wir möglichst wenig mit Bodenbearbeitung in den Boden eingreifen."

Nicht nur in den Medien, auch in der Politik wurde die Fachkenntnis des ZALF abgefragt. Dr. Ralf Bloch nahm als Wissenschaftsvertreter am Praktikerdialog "Klimaschutz und Klimaanpassung in der Landwirtschaft" im Bundesumweltministerium teil. Ministerin Svenja Schulze diskutierte dort gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten u. a. über eine standortgerechte Bewirtschaftung, größere Kulturartenvielfalt und vielfältigere Fruchtfolgen als mögliche Lösungsansätze.

„Es ist in dem Punkt Klimawandelanpassung ganz wichtig, sich mit den Landwirten und der Praxis in einem Dialog dieser Frage zu nähern", unterstreicht Forscher Moritz Reckling ebenfalls die Bedeutung dieser Praxisnähe. Er gab Interviews zum Thema u. a. in Radio 1 sowie der Deutschen Welle. In der Diversifizierung des Anbaus sieht auch er „das entscheidende Medium", um sich auf den Klimawandel vorzubereiten. Dabei geht er komplett neue Wege: gemeinsam mit Kollegen seiner Arbeitsgruppe baut er seit fünf Jahren Soja auf Versuchsflächen in Deutschland an. Mit dieser Kulturpflanze, die mit Wärme besser zurechtkommt, wollen die Wissenschaftler eine neue Alternative für die deutsche Landwirtschaft aufzeigen, die uns auch von Sojaimporten unabhängiger machen würde. Wie notwendig ein Anpassungsprozess wirklich ist, erklärte er anhand eigener Forschungsergebnisse: „Wir haben in dem EU-Projekt „Climate Café" in acht Ländern untersucht, wie sich denn bisher der Klimawandel tatsächlich auf die Erträge der Landwirtschaft auswirkt und wir konnten dort feststellen, dass über die letzten 60 Jahre die Schwankungen der Erträge von einem zum nächsten Jahr tatsächlich signifikant zugenommen haben." So zeigt sich, das dieses Thema nicht nur diesen Sommer hochaktuell bleiben wird. ​

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