CarboZALF
Problemstellung
Der globale Wandel von Klima, ökonomischen Rahmenbedingungen, technischem
Fortschritt und gesellschaftlich-politischen Rahmenbedingungen beeinflusst
Agrarlandschaften in vielfältiger Weise. Er wirkt nicht nur unmittelbar auf
deren Produktivität sowie auf die lebenswichtigen Ressourcen Boden und
Wasser ein, sondern verändert auch den Landschaftsstoffhaushalt.
Hinzu
kommen die indirekten Effekte durch neue ökonomische und gesellschaftspolitische Rahmenbedingungen sowie den technischen
Fortschritt. Andererseits beeinflussen aber Landnutzungsaktivitäten und
-änderungen ihrerseits relevante Klimaelemente, wie die CO2-Konzentration in
der Atmosphäre.
Die besondere Brisanz dieser Rückkopplungsprozesse ergibt
sich aus dem Befund, dass derzeit nur ca. 45% des global, anthropogen
emittierten CO2 in der Atmosphäre wiederfindbar ist. Der Rest wird offenbar
von Ozeanen und Kontinenten aufgenommen (globale Senkenfunktion). Da die
Ozeane offenbar bereits jetzt ihre Aufnahmekapazität erreicht haben, dürfte
ein größerer Teil des anthropogenen CO2 von den Kontinenten gebunden werden
(sogenannter „residual land sink“). Es ist aber noch immer unklar, wo das
erfolgt, denn die Angaben zur CO2-Senkenstärke terrestrischer Ökosysteme
zeichnen sich durch große Unsicherheiten aus. Auch ist nicht bekannt, ob und
wann sich deren Aufnahmekapazität möglicherweise erschöpft – was einen
deutlich stärkeren Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre zur Folge
hätte.
Vieles deutet aber darauf hin, dass den durch vielfältige Nutzung
geprägten Landschaften hierbei eine Schlüsselstellung zukommt. Auf der einen
Seite bietet offenbar die gezielte Anpassung der Nutzung ein erhebliches,
derzeit aber noch immer nicht exakt einschätzbares Potenzial zur
zusätzlichen Speicherung atmosphärischen Kohlendioxids (CO2-Sequstrierung).
Andererseits tragen verschiedene Landnutzungsaktivitäten, wie z. B. die
Entwässerung von Mooren oder die Entwaldung wahrscheinlich sogar zu einer
verstärkten Freisetzung vorher gebundenen Kohlendioxids in die Atmosphäre
bei, aber auch hier gibt es noch viele Wissenslücken. Noch viel mehr gilt
das für die korrekte Bewertung derzeit hochaktueller Formen der
Bewirtschaftung, wie etwa den Anbau von Energiepflanzen.
Das zentrale Anliegen von CarboZALF besteht deshalb darin, einen Beitrag zur
Klärung der Rolle speziell der durch agrarische Nutzung geprägten
Landschaften bzw. Regionen für den globalen Kohlenstoffhaushalt zu leisten.
Im Zentrum der multidisziplinären und institutsübergreifenden
Untersuchungen stehen die Erfassung der Bedeutung der verschiedenen
Landschaftskompartimenten (z. B. Acker, Grünland, Gewässer, Wald) für die
CO2-Quellen-/Senkenfunktion und die gesamte Klimawirkung („Global Warming
Potential“) von Agrarlandschaften bzw. der Auswirkungen von Landnutzung (z.
B. Erosion) und Landnutzungsänderungen (z. B. Energiepflanzenanbau) hierauf.