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Weniger Regen, weniger Einkommen

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Mit dem Klimawandel steigen nicht nur der Meeresspiegel und die Temperaturen. Für einige Regionen der Erde prognostizieren die Klimamodelle sinkende Erträge in der Landwirtschaft. Darunter werden vor allem die ärmeren Länder dieser Welt leiden. Zu ihnen gehört Pakistan. Der Forscher Muhammad Arshad hat untersucht, wie sich das Klima des südasiatischen Landes in den letzten Jahrzehnten verändert hat und wie dieser Wandel die landwirtschaftlichen Betriebe beeinflusst.

Die Zahl lässt aufhorchen: Seit 2009 ist die Reisproduktion in Pakistan um 30 Prozent eingebrochen. Der Grund liegt in den steigenden Temperaturen. Das Land, das zu den ärmsten der Welt zählt, leidet unter dem Klimawandel. Hitze, Trockenheit oder Überflutungen setzen auch anderen wichtigen Nutzpflanzen wie Weizen, Baumwolle oder Hirse zu. Dr. Muhammad Arshad wollte es genauer wissen und hat das Land, aus dem er selbst stammt, mit einem vierköpfigen Forschungsteam für vier Monate bereist. Während seiner durch die Higher Education Commission Pakistan und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst unterstützen Promotionsarbeit besuchte er 240 landwirtschaftliche Betriebe in 16 Dörfern und acht unterschiedlichen agrarökologischen Zonen. Mit dem Geländewagen fuhr er mehr als 2500 Kilometer durch Gebirge und Tiefebenen, durch feuchte und trockene Landschaften, um mehr über die Lebensumstände der dort lebenden Bäuerinnen und Bauern zu erfahren. 

Ausgerüstet mit Fragebögen wollte das Forschungsteam herausfinden, wie sich das Einkommen der Menschen mit dem Klimawandel ändert. Deshalb interessierte es sich nicht nur für die Erträge der Felder, sondern auch für den Aufwand, den die Betriebe leisten mussten, um diese Erträge zu erzielen.

Kleinbetriebe sind besonders anfällig

»Die Ernte allein ist kein ausreichender Indikator, um die ökonomischen Folgen des Klimawandels zu erfassen«, erklärt Prof. Harald Kächele. Er betreut am ZALF gleich fünf Nachwuchsforscherinnen und -forscher aus Südasien. Sie untersuchen, wie der Klimawandel das Leben der Menschen in der Region Südasien, die zu den landwirtschaftlich produktivsten der Erde gehört, beeinflusst. Das Ziel ihrer Forschung ist es, die Lebensbedingungen der Kleinproduzenten in Ländern wie Pakistan, Iran oder Indien zu verbessern.

In Pakistan sind die Felder oft klein und werden von Familienbetrieben bewirtschaftet. Sie bestellen ihre Äcker meist auf einfache, traditionelle Art: Statt motorisierte Landmaschinen zu nutzen, spannen sie Ochsen vor den Pflug. »Die Märkte sind außerdem schlecht reguliert, das Transportsystem ist marode und viele Betriebe sind von Zwischenhändlern abhängig, die einen Großteil der Gewinne in die eigene Tasche stecken«, beschreibt Arshad die Schwierigkeiten vor Ort. Es gibt kaum finanzielle Puffer, um größere Verluste auszugleichen. Für Risiken des Klimawandels sind die Kleinbetriebe, die 80 Prozent der Farmen ausmachen, aber nur 20 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche Pakistans nutzen, besonders anfällig. Wieder zurück in Deutschland berechnete Arshad mit einem statistischen Modell, wie stark die Klimavariablen die wirtschaftliche

Effizienz der Farmbetriebe beeinflussen. Dafür zog er Wetterdaten aus den Jahren 1980 bis 2011 heran und ermittelte, an wie vielen Tagen die Temperatur in der Wachstumsphase von Reis und Weizen auf Werte anstieg, die den Pflanzen schadeten. Während der Blüte sind beide Pflanzen besonders empfindlich: Ist es zu heiß, bilden sie keine Körner aus. »Manchmal genügen schon einige Stunden Hitze«, erklärt Arshad. Bei Weizen wird es ab 35,5 Grad Celsius kritisch, bei Reis ab 34 Grad Celsius.

Anpassungsstrategien für die Krise

Die Daten zeigen deutlich: Wenn die Temperaturen häufig über den Grenzwerten lagen, ernteten die Betriebe weniger. Mit den Erträgen sank auch die Wirtschaftlichkeit des Anbaus. Nur mit weiteren Investitionen – mit mehr Dünger, zusätzlicher Bewässerung, teuren Hochleistungssorten oder modernen Technologien – könnten sie diesen Verlust ausgleichen. Für viele Menschen vor Ort ist das existenzbedrohend. Ihnen fehlen die notwendigen Mittel, um auf die steigenden Kosten zu reagieren. Und häufig auch das Wissen über Anpassungsstrategien: »Das traditionelle Wissen über den Anbau wird vom Vater an den Sohn weitergegeben«, erklärt Kächele. »Wenn man daran festhält, obwohl sich die Umstände ändern, sitzt man in der Falle, denn Anpassung ist gefragt.« Fortbildung wird immer wichtiger. Wer etwa frühblühende Sorten kennt, die vor der großen Hitze heranreifen, könnte einen Teil der Verluste abfangen.

»Weizen und Reis sind die wichtigsten Nutzpflanzen in Pakistan«, betont Arshad. Daran wird sich in naher Zukunft nichts ändern. Eine Chance sieht der Forscher aber in zusätzlichen Marktnischen. Weizenbauern könnten auch Geflügel halten oder Gemüse anbauen, um ihr Einkommen aufzubessern.

Arshad sieht auch die Regierung in der Verpflichtung: »Die Kleinbetriebe benötigen Subventionen, um auf die Klimaänderungen zu reagieren.« Erste Schritte in diese Richtung gibt es bereits: Sie müssen weniger Steuern für Energie und Kraftstoff bezahlen. Für zusätzliche Bewässerung hat der Staat außerdem ein großes Brunnenbau-Programm gestartet.

Die Ergebnisse seiner Forschung veröffentlichte Arshad im Fachjournal Ecological Indicators. »Es schlug ein wie eine Rakete«, freut sich der Wissenschaftler. Auch, weil die Autoren die Effizienz des Anbaus beleuchten und sich nicht nur auf den Ertrag beschränken. Doch Sichtbarkeit in der Wissenschaftsgemeinschaft ist nicht das Wichtigste. »Relevanz erhalten die Ergebnisse erst, wenn sie auch auf der Ebene der Politik wahrgenommen werden«, sagt Co-Autor Harald Kächele. »Daran arbeiten wir in den kommenden Jahren.«​

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