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Umweltschutz: lernen von Lateinamerika

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​​​Weltweit haben sich viele lokale Initiativen für den Schutz der Umwelt entwickelt. Sie werden insbesondere dort dringend benötigt, wo die Folgen globaler Veränderungen unmittelbar zu spüren sind. Zwei Wissenschaftlerinnen haben in einem internationalen Team besonders vielversprechende Projekte in Lateinamerika untersucht. Ein Anliegen war es dabei, die Lösungsansätze mit Unterstützung der Menschen vor Ort auf weitere betroffene Regionen zu übertragen.

Den Auswirkungen globaler Umweltveränderungen wie Klimawandel und dem Aussterben von Tier- und Pflanzenarten wird sich über kurz oder lang niemand entziehen können. Die Menschen in den Fischerdörfern der Halbinsel Osa in Costa Rica z. B. spüren die Veränderungen bereits jetzt. An ihren Küsten verschwinden die meterhohen Mangrovenwälder. Sie dienen als »Tsunami- Bremsen«, schützen den Boden vor Erosion und sind Lebensraum für viele Tierarten. Ihr weitverzweigtes Wurzelgeflecht dient als »Kinderstube« für zahlreiche Fische und andere Meeresbewohner. Doch der weltweite Rückgang von Mangrovenwäldern machte auch vor Osa nicht halt. Hotelanlagen breiteten sich aus, für die Touristen wurden die Wälder durch weiße Sandstrände ersetzt und auch die Landwirtschaft rückte näher. Für die Menschen in Osa verschwindet somit ein wichtiger Baustein des sensiblen Ökosystems, das ihre Lebensgrundlage ausmacht. Um dem nicht tatenlos zuzusehen, wurde eine lokale Umweltschutzinitiative gegründet, die inzwischen für Aufsehen sorgt. 

Prof. Dr. Bettina Matzdorf und Dr. Claudia Sattler vom Institut für Sozioökonomie des ZALF haben diese und andere Umweltschutzinitiativen im EU-geförderten Forschungsprojekt »CiVi.net« vor Ort in Lateinamerika erforscht, um herauszufinden, was gerade sie so erfolgreich macht. Ihre Forschungsergebnisse sollen dabei helfen, die Lösungsstrategien auf andere Regionen zu übertragen. »Wir haben Interviews mit den Akteuren verschiedener Projekte in Costa Rica und Brasilien geführt. Dabei ging es uns vor allem darum, die Rolle zivilgesellschaftlicher Akteure besser zu verstehen«, sagt Matzdorf.

 

Gemeinsam für den Umweltschutz

Das Projekt in Osa nahm seinen Anfang, als die lokal aktive Umweltschutzorganisation »Fundación Neotrópica« die betroffenen Fischergemeinden anregte, selbst etwas für den Mangrovenschutz zu tun. In den Fischfangschonzeiten fingen sie an, Mangroven zu züchten und zu pflanzen. »Sie haben uns ihre Baumschule gezeigt, in der sie Mangrovenstecklinge heranziehen. Später werden diese in gemeinsamen Aktionen, zum Beispiel mit Schulkindern, ausgepflanzt«, so Sattler. Die Kosten für das Projekt wurden u. a. von der nationalen Niederlassung von VW übernommen. »Wichtig für den Erfolg dieses Projektes war die von Beginn an gute Vernetzung der NGO-Leitung, u. a. zum Umweltministerium von Costa Rica, zu Unternehmen und den Fischerdörfern vor Ort. Unsere Ergebnisse zeigten aber auch deutlich, wie wichtig es ist, den Wert der Natur für die lokale Bevölkerung nutzbar zu machen. Die so erlangte breite Wertschätzung der Mangrovenwälder als bedeutender Bestandteil der gemeinsamen Lebensgrundlage ist ein wichtiger Grundstein für den Erfolg.« 

Das Team vom ZALF erforschte nicht nur das Projekt in Costa Rica. Es suchte u. a. auch die Bewohner der Gemeinde Marujá im brasilianischen Mata Atlântica-Regenwald auf. Diese sollten ihr Dorf aufgeben und umgesiedelt werden, weil ihre Heimat zu den letzten noch erhaltenen Teilen des Urwaldes gehörte und zum Schutzgebiet erklärt wurde. Um für ihr Bleiberecht zu kämpfen, gründeten sie eine Gemeindevertretung und waren schließlich erfolgreich. Als Gegenleistung unterstützen sie die Schutzgebietsverwaltung nun bei der Parkbeobachtung und melden illegale Fischer oder Orchideendiebe. Im 2000 km weiter nördlich gelegenen Tocantins haben die Besitzer von Keramikfabriken das Heizmaterial für ihre Brennöfen von Holz auf Reisspelzen, Abfallprodukte des Reisanbaus, umgestellt. Sie schützen damit den Regenwald und die Gesundheit ihrer Belegschaft. Mit Zertifikaten für CO2-Einsparungen verdienen sie zusätzlich Geld am freien Kohlenstoffmarkt. »So grundverschieden die Projekte auch sind, haben sie alle eines gemeinsam: hochmotivierte, engagierte Personen, die die Fäden in die Hand nahmen. Sie organisierten die notwendigen Netzwerke, welche wiederum Ressourcen zur Verfügung stellten. In solche kreativen und motivierten Köpfe vor Ort muss man investieren.« Doch das allein wirkt nicht nachhaltig. »Alle Beteiligten müssen nachweislich einen Nutzen vom Projekt haben«, so Matzdorf.

 

Aus Erfolgen lernen

In Costa Rica half das Forschungsteam des ZALF dabei, den Lösungsansatz der Fischer von Osa auf andere Gemeinden zu übertragen, zum Beispiel in das Feuchtgebiet Térraba Sierpe oder an den Golf von Nicoya, und beforschte diesen Transferprozess. »Die Fischer ermutigten die anderen Gemeinden ebenfalls nach alternativen Einkommensquellen zu suchen, beispielweise der Zucht von Austern in den Mangroven«, so Sattler. Zusätzlich lassen die Forscherinnen ihre Ergebnisse nun in die Konzeption eigener Umweltschutzprojekte in Europa einfließen. So werden im Projekt »cp³« Netzwerke zwischen zivilgesellschaftlichen, privatwirtschaftlichen und staatlichen Akteuren erforscht, die innovative Lösungen für den Umweltschutz gefunden haben. Ein weiteres Projekt ist ein internetbasierter »Marktplatz für Ökosystemleistungen und Biodiversität«, der Umweltschutzprojekte sammelt und neue Möglichkeiten der Finanzierung etablieren soll. Allen gemein ist die Bestrebung, aus erfolgreichen, lokalen Projekten zu lernen und damit den Umweltschutz insgesamt erfolgreicher zu machen.​

 

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